Ich denke zurueck an die erste Woche auf Fiji und mir faellt es jetzt schon schwer meine ersten Eindruecke von diesem besonderen Land in mir aufleben zu lassen, da es mich immer wieder auf eine ganz unterschiedliche Weise beruehrt hat. Ich versuche mein Bestes:
Frueh am Morgen um 5. Wir landen im Dunkeln. Die nur zur haelfte besetzte Boing bescherte uns einen deluxen Flug, da jeder Passagier eine Sitztreihe fuer sich beanspruchen konnte.
Aber trotzdem, nach 12 Stunden Flug haben wir die Schnauze voll und sind froh endlich tropische Luft schnuppern zu koennen.
Auf dem Miniflughafen in Nadi erwartet uns dann die erste Ueberraschung, denn wie im Unterbewusstsein eigentlich schon erwartet ist unser Gepaeck nicht mit uns nach Fiji geflogen. Darauf hin gehts erstmal Frustshoppen in den Duty free und wir machen uns planlos mit ner Flasche Bacardi und einer Ration Milkaschoki aus dem Flughafengebaeude.
Den ersten Schritt aus dem Zoll und schon empfaengt uns freundlich ein aelterer Mann in Rock und buntem Hemd und erkundigt sich nach unseren Namen und Herkunft. Natuerlich wissen wir Helden den Namen des gebuchten Hostels nicht mehr und versuchen ihm klar zu machen das wir ins Internet muessen um die Buchung abzurufen. Daraufhin fuehrt er uns in den oberen Stock des Flughafengebaeudes in ein kleines Touristenbuero wo ein ur alter Rechner steht. Waehrend den 20 min die der PC braucht um eine Verbindung herzustellen und wir vor Ungedult fast ausflippen, meint der alte nur “Its Fiji time” und schlaeft auf der Buerocoach ein. Nachdem dann kurz bevor ich die Mail oeffne in der der erhoffte Name stand das Internet zusammenbricht, geben wir auf und wecken den alten. Der schnappt sich kurzerhand den Hoerer seines Telefons und bucht uns das billigste Hostel in ganz Nadi und organisiert uns sogar einen kostenlosen Transfer dort hin.
Wir sind begeistert von unserer ersten Unterkunft. 6 Bett Zimmer ohne Klimaanlage (Gott sei dank, ich kann die kuenstliche Kaelte seit unserem USA Aufenthalt nicht mehr ausstehen) Swimmingpool gechillte Musik und dazu die freundlichen Fijianer. Daraufhin sage ich zu Tom “Hier gefaellts mir, hier koennt ichs glaub fuer immer aushalten”.
Am naechsten Tag tauchen Helen und Marina aus Frankreich auf. nach ein paar lustigen runden Karten bei Barcardiorange und selbst geknackten Cocusnuessen, buchen wir spontan fuer die naechsten Tage einen gemeinsamen Inseltrip nach “Robinson Crusoe Island”
Unser Gepaeck kommt puenktlich zur Abfahrt mit dem Minibus vom Flughafen an. Bei stroemendem Regen gehts los. Nach ca. einer Stunde Fahrt, kommen wir an einem amazonasartigen Fluss an wo schon ein Boot auf uns wartet das uns hinaus auf die Insel faehrt. Dort werden wir gitarrespielend mit einem kraeftigen “Bula” empfangen.
Der erste Eindruck ist nicht den Erwartungen entsprechend den es bleibt erstmal schlechtes Wetter. Aber nach einer ersten Erkundung der ca. 2 Fussballfelderfelder grossen Insel und den ersten Kontakten zu den ausergewoehnlich freundlichen Fijis, wendet sich das Blatt. Und als am naechsten Tag die Sonne herauskommt, merken wir das wir unsere erste paradiesesche Suedseeinsel erreicht haben.
Nachdem wir noch erfahren das die Insel sich perfekt zum kiten eignet, bekommen wir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Abends werden alle neuankoemmlinge des Tages zum traditionellen “Kavatrinken” eingeladen. Kava ist das Fiji Nationalgetraenk. Das Pulver das dazu mit Wasser vermischt wird, besteht aus einer getrockneten und zerstampften Wurzel eines kleinen spaziellen Baumes der nur auf den Suedseeinseln waechst. Der erste Schluck betaeubt den Mund und den Rachen. Die Fijis behaupten, wenn die Mischung zu stark sei und man zuviel davon trinkt, passiert das was beim ersten Schluck mit dem Mund und dem Rachen geschiet, mit dem ganzen Koerper und man kann sich irgendwann nicht mehr bewegen(lies sich allerdings nie beweisen, weil es uns nach ueber 20 tassen immer noch nicht weggebeemt hat)
Danach wurden wir abendlich von reizenden Bauchtaenzen und traditionellen messer- und Feuershows begeistert.
Jeden tag um Mitternacht traf sich ein Teil der Staff mit den Leuten die Lust hatten etwas abgelegen am Strand zum “Bonfire” mit Gitarre und Gesang...unvergesslich. Unvergesslich aber auch ein besoffener Ire, der fast nicht mehr bis zum Feuer laufen konnte, geschweige den vernuenftig reden konnte(obwohl wir von dem irischen Englisch eh kein Wort verstanden( der rest der Welt aber anscheinend auch nicht)), sich aber dann verblueffenderweise die Gitarre schnappte und mit einem genialen Solo die restliche Nacht zu grunde rockte(ich dachte mir nur das war wohl der lebendige Beweis dafuer, warum alle guten Musiker des oefteren unter Drogen stehen)
Mit dem Kiten hatten wir nur einen Tag Glueck auf dieser Insel, aber diesen werde ich wohl nie vergessen:Der Himmel blau, das Wasser Tyrkis, der Blick nach Vorn eine brechende Welle am Horizont- das Riff, der Blick nach Hinten eine Insel voll Palmen im Pazifik, der Blick nach Unten Korallen und Fische rasen in einer hoellen Geschwindigkeit 20 cm unter der Wasseroberflaeche unter mir hinweg, das Gefuehl- unbeschreiblich!
Der letzte abend auf RCI. Es sind jetzt ueber 100 Gaeste da, die meisten Englaender in unserem Alter. Nach vielen lustigen Spielen, Taenzen, und Musik, wandern alle zum Strand. Diesmal nicht das uebliche, sonder ein riesen Bonfire an der Spitze der Insel. Die ganze Staff ist an diesem Abend auch dabei, sie sitzen auf einem Haufen trinken Kava und singen. Ich setze mich dazu, ein Stueck weiter am Feuer ein riesen Haufen Englaender die ihre typischen englischen Lieder runter kraeulen, zu Gitarre.
Ich geniese ein letztes mal die unglaublich schoene Musik der Fijianer, die ohne Instrumente klatschend mit ihren Stimmen in verschiedensten Tonlagen ein einzigartiges Konzert ihrer Kultur darbieten.
Die Fijitour geht weiter. Sonja, eine Lehrerin aus der Schweiz, begleitet uns am Anfang unseres Inselhoppingtrips ueber die Yasavas. Die Yasava Group ist eine westlich von der Hauptinsel gelegene Inselgruppe, bestehend aus ca.50 kleineren Inseln. Man kauft sich einen “Bulapass” und kann damit taeglich ein Schnellboot catchen und wann man lustig ist auf die naechste Insel hoppen.
Wir beginnen ganz im Norden. Auf jeder Insel gibt es kleine Resorts, die meist aus ein paar Strohhuetten bestehen, die mit Regenwasser betriebenen sanitaeren Einrichtungen ausgestattet sind und eine Vollverpflegung mit Uebernachtung fuer 25Euro anbieten.
Dazu hatten wir die Moeglichkeit Doerfer zu besuchen, an Gottesdiensten teilzunehmen, Fischen zu gehen, Schnorcheln mit Haien, Wanderungen ueber die Inseln, Cocusnuesse knacken, weben....kava trinken, tanzen jeden Tag.
Am letzten Tag des Inselhoppings landen wir auf einer Partyinsel(gerade mal so gross wie ein Fussballfeld). Der besitzer, ein Australier. Die Insel ist perfekt saniert und gleicht dem Ballermann auf Mallorca. Auch die Band die abends spielt hat nicht viel mit der Kultur zu tun, die Taenzer sind Phillipiner...wir sind enttaeuscht, aber treffen 3 Australierinnen und es wird die Nacht gerockt bis die Lichter ausgehen.
Leider habe ich mir auf unserem Inselhoppingtrip eine allergische Reaktion eingefangen, die mich so stark befaellt das der Weg zum Doc nicht vermeidbar ist. Der verpasst mir ne Spritze und verschreibt mir Tabletten und ne Salbe, danach liege ich 2 tage mit Schuettelfrost und
Dann aber weiter Richtung Hauptstadt- Suva. Ein Taxifahrer macht uns ein Angebot uns die 300Km ueber Landstrasse fuer 20$ pro Kopf mitzunehmen, wir stimmen zu. Leider geht die Fahrt nur eine Stunde, dann kommen wir nicht mehr weiter weil die Karre streikt. Er setzt uns in einen Bus und wir bezahlen letzt endlich nur 10 Dollar fuer die ganze Fahrt.
Als wir uns der Stadt naehern sehen wir das erste mal das andere Fiji- Kapute Gebaeude, Armut und Muell. Es wird deutlich das sich hinter den Kulissen des Tourismus ein Entwicklungsland befindet. Die bisher gesammelten Eindruecke trueben sich in meinem Kopf.
Da ich erfahren habe das es in Suva eine Physiotherapeutenschule gibt, mache ich mich auf die Suche und werde im Staatlichen Krankenhaus fuendig. Nach einem Gespraech mit der Schulleiterin werde ich in die Abteilung fuer Physiotherapie gefuehrt um alles begutachten zu koennen. Ich schaue mir ein paar Behandlungen an und bekomme anschliesend eine Krankenhausfuehrung. Das Gebaeude ist sehr alt und seid der Erbauung glaube ich noch nicht renoviert worden. Aber alles ist sauber und alles funktioniert. Das gesamte Personal wird naehmlich vom Staat bezahlt und jeder Buerger hat Anspruch auf medizinische Versorgung ohne einen Cent bezahlen zu muessen incl. Medikamente. Das bedeutet kein hoher technischer Standart aber genuegent gutes Personal um alle zu versorgen.
Dann Wind, nach fast 2 Wochen endlich Wind. Wir bekommen in einem Surfshop einen Spottip und auf gehts mit dem Taxi an den beach. Nach einer 2 Stundensession, kommt ein Franzose auf uns zu und quatscht uns freundlich an. Er lebt seid 3 Jakren in Fiji und schreibt seine Doctorarbeit in Meeresbiologie. Wir erfahren das er nicht so gerne in diesem Land lebt, da die politische Situation sich etwas zuspitzt, die Leute nicht genug zu Essen haben, die Kriminalitaet zunimmt, immer mehr eingebrochen wird. Aber er hat auch gute Nachrichten fuer uns, er empfiehlt uns eine kleine Insel, ein Geheimtip unter den Kitesurfern.
Abends noch kurz im Internet nachgeforscht und los gehts am naechsten Morgen. Erst eine Stunde mit dem Minibus, umsteigen noch eine Stunde mit dem Minibus. Wir werden mitten im Jungel an einer Bruecke abgesetzt, dann 2 Stunden warten. Ploetzlich taucht ein Boot auf an das wir schon nicht mehr geglaubt haben das uns ueber den Fluss hinaus auf die Insel faehrt. Alles genauso wie der Franzose gesagt hat:-) sogar der Wind blaest und die Sonne scheint und wir bauen sofort auf und kiten bis es dunkel wird. Wir befinden uns wieder vor den Kulissen, hier ist heile Welt.
Danach sitzen wir da und trinken Kava, die Fijis spielen im Trio Gitarre und singen, Morgen habe ich Geburtsag und ich mache mir Gedanken ueber meine Traeume und Wuensche. Und ich merke das es verrueckt ist was wir hier eigentlich machen wenn ich uns mit den Leuten vergleiche die hier Leben und arbeiten. Sie muessen denken wir sind Verrueckt wenn sie sehen wie viel Zeug wir um die ganze Welt schleppen nur um auf ihrer Insel bei Nacht auf dem Wasser rum zufahren.
Heute ist es nun soweit ich bin 26 und wache mit einem geschwollen Gesicht und einem Koerper voller roter Punkte auf. Die Verwunderung ist gross, was hat wohl dazu gefuehrt das diese komische Allergie wieder in voller Ausfuehrung ein zweites mal zum vorschein kommt. Ich fuehle mich beschissen und kann den ganzen Tag nichts machen.
Die Rueckfahrt nach Nadi ist nicht besonders angenehm fuer mich und ich mache mir Gedanken ueber den Satz am ersten Tag.

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